Seit Jahren wird im Gaming-Bereich scherzhaft darüber gesprochen, dass Spiele irgendwann nicht nur besser aussehen und klingen, sondern vielleicht sogar riechen könnten. Während diese Idee lange eher nach Science-Fiction oder einem alten Technikgag klang, arbeitet OVR Technology inzwischen tatsächlich an genau so einem System.

Auf der PAX East 2026 hatte ich die Gelegenheit, mir das Gerät vor Ort anzusehen und mit dem Team darüber zu sprechen. Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Über ein kleines Zusatzgerät sollen passende Gerüche in Spielsituationen eingeblendet werden, um die Immersion weiter zu verstärken.

Das Gerät selbst ist überraschend kompakt und nicht viel größer als eine AirPods-Schachtel. Es kann per Bluetooth oder USB verbunden werden und soll im kabellosen Betrieb rund zwei Stunden Akkulaufzeit bieten. Für Entwickler gibt es laut OVR Technologies bereits Plugins für Unity und Unreal Engine, was die technische Einbindung erleichtern dürfte.

Auch erste Spiele und Projekte werden bereits unterstützt. Genannt wurden unter anderem Minecraft, Paleo Pines, Akiiwan Survival, Nice Day for Fishing und The Zodiac Trials. Vor Ort konnte ich selbst Paleo Pines ausprobieren sowie ein weiteres, eher ungewöhnliches Spiel, in dem man als Zitrone Reinigungsarbeiten übernimmt. Allein diese Kombination war schon ein sehr spezielles Erlebnis.

Technisch setzt OVR auf eine 16-Kanal-Geruchskartusche, die verschiedene Duftnoten enthält. Die aktuelle Auswahl an Gerüchen wirkt bereits recht vielseitig, bleibt aber klar auf angenehme Duftwelten beschränkt. Dazu gehören etwa Zitrus, Melone, Erde oder florale Noten. Auf unangenehme oder besonders realistische Gerüche verzichtet man bislang offenbar bewusst. Das ist vermutlich auch keine schlechte Entscheidung, denn nicht jeder möchte eine besonders authentische Umkleidekabine aus einem fiktiven Gym Simulator oder die olfaktorische Variante eines Wäschebergs im Wohnzimmer erleben.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Laut Hersteller ist das System EU-allergen-compliant. Gerade bei einem Produkt, das Düfte direkt in unmittelbarer Nähe des Nutzers abgibt, ist das keine unwichtige Information.

Mein persönlicher Eindruck von der Duftqualität war allerdings gemischt. Gerüche wie Zitrus oder Melone waren zwar gut erkennbar, wirkten teilweise aber noch etwas künstlich. Das erinnerte stellenweise eher an Reinigungsmittel als an natürliche Duftquellen. Andere Gerüche funktionierten dagegen deutlich besser. Besonders die erdigen Noten konnten überzeugen: In Paleo Pines entstand beim Ausgraben von Pflanzen oder beim Beseitigen von Dino-Hinterlassenschaften tatsächlich ein Geruch, der an feuchte Erde und Gartenarbeit erinnerte. Das war einer der Momente, in denen das Konzept wirklich greifbar wurde.

Interessant ist aber auch die Frage, wie alltagstauglich und verbraucherfreundlich das System am Ende sein wird. Laut OVR Technologies soll eine Kartusche rund 3.000 Duftimpulse beziehungsweise etwa 60 Stunden Gameplay ermöglichen. Gleichzeitig scheinen die Kartuschen mit einem vorprogrammierten Chip zu arbeiten. Genau an dieser Stelle drängt sich natürlich schnell die Frage auf, ob das Modell später eher an klassisches Zubehör erinnert oder doch eher an das bekannte Prinzip moderner Druckerpatronen.

Positiv ist immerhin, dass die Duftimpulse nur sehr kurz und fein dosiert abgegeben werden. Laut Hersteller sollen sie sich schnell wieder verflüchtigen, sobald man ausatmet. Das verhindert zumindest, dass sich der Raum während des Spielens dauerhaft mit künstlichen Gerüchen füllt.

Was die möglichen Einsatzgebiete betrifft, nennt OVR Technologies PC, VR und Mobile. Im klassischen PC-Bereich sehe ich persönlich aktuell allerdings eher ein Nischenprodukt oder ein teures Gimmick. Im VR-Sektor könnte die Idee dagegen deutlich besser funktionieren. Gerade dort, wo ohnehin versucht wird, Spieler möglichst vollständig in eine virtuelle Umgebung hineinzuziehen, könnte ein zusätzlicher Sinneseindruck tatsächlich einen Mehrwert bieten.

Beim Preis gab es auf der Messe noch keine endgültige Angabe. Vor Ort fiel mehrfach ein Bereich von ungefähr 250 US-Dollar. Außerdem war von einer Aktion die Rede, bei der man mit einer 1-Dollar-Anzahlung später 50 Prozent Rabatt auf den finalen Verkaufspreis erhalten könne. Verlassen sollte man sich darauf im Moment aber noch nicht, solange es dazu keine offiziellen Angaben auf der Herstellerseite gibt.

Unterm Strich war das System von OVR Technologies auf der PAX East 2026 auf jeden Fall eine der ungewöhnlichsten und interessantesten Technikideen, die ich gesehen habe. Noch wirkt das Ganze eher wie ein spannendes Experiment als wie ein Zubehör, das sich kurzfristig breit durchsetzen wird. Ob daraus mehr wird, hängt am Ende nicht nur von der Duftqualität ab, sondern auch von der Spieleunterstützung, dem Preis und der Frage, wie fair das Kartuschensystem im Alltag gestaltet ist.

Für VR könnte das Konzept durchaus Potenzial haben. Im klassischen Gaming-Setup bleibt dagegen vorerst noch offen, ob sich hier wirklich ein Markt entwickelt oder ob es am Ende doch eher bei einer kuriosen Messe-Idee bleibt.