Wenn es um taktische Strategiespiele geht, muss ich ganz ehrlich sagen:
Sudden Strike war für mich immer eine Reihe, die ich zwar kannte, nach dem ersten Teil aber praktisch nicht mehr angefasst habe.
Der Grund war simpel. Die Spiele waren mir damals einfach zu komplex, zu gnadenlos und ehrlich gesagt oft auch etwas zu frustrierend. Ich hatte früher schnell das Gefühl, dass ich eigentlich gar nicht richtig verstehe, was auf dem Schlachtfeld gerade passiert und genau deshalb war ich umso gespannter, wie sich Sudden Strike 5 heute spielen würde.
Nach den ersten Missionen kann ich auf jeden Fall sagen: Sudden Strike 5 hat mich positiv überrascht.
Leicht ist das Spiel aber definitiv nicht und ganz ehrlich: Das sollte es wahrscheinlich auch gar nicht sein.
Kein Spiel für blindes Rushen
Sudden Strike 5 ist kein Titel, bei dem man einfach Truppen nach vorne wirft und hofft, dass das schon irgendwie klappt. Das Spiel verlangt Aufmerksamkeit, Planung und oft auch mehrere Schritte im Voraus.
Selbst auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe ist schnell klar:
Wer hier einfach blind nach vorne stürmt wie in einem klassischen Command-&-Conquer-Match, wird ziemlich schnell wieder vom Feld gejagt.
Sichtlinien, Deckung und Positionierung spielen eine zentrale Rolle. Dazu kommt, dass auch das Terrain einen echten Einfluss auf das Kampfgeschehen hat. Ob man einen Pass bergauf stürmen muss, durch ein Flussbett angreift oder in der Wüste verzweifelt versucht, irgendwo brauchbare Deckung zu finden. Die Landschaft ist hier nicht bloß Kulisse, sondern aktiver Teil der Taktik.
Das macht Sudden Strike 5 interessant.
Das Spiel hat echtes taktisches Gewicht. Man muss konzentriert bleiben, aufmerksam spielen und darf eben nicht erwarten, dass man mal eben nebenbei eine Mission wegklickt.
Zwischen völliger Überforderung und dem ersten Erfolgserlebnis
Gerade am Anfang zeigt Sudden Strike 5 auch sehr deutlich, wie groß die Bandbreite zwischen Frust und Erfolg sein kann.
In meiner ersten Mission hatte ich ehrlich gesagt kaum eine Ahnung, was ich da eigentlich tue. Rund eineinhalb Stunden gingen drauf, weil ich bei den Einheiten-Symbolen oft eher geraten als verstanden habe, was ich da überhaupt einkaufe. Teilweise habe ich schlicht Einheiten gekauft und gehofft, dass das schon irgendwie passt. Am Ende gewann ich eher aus Zähigkeit als aus Genialität, unter anderem dadurch, dass ich mit zwei Artillerieeinheiten gefühlt eine Ewigkeit lang auf einen einzelnen Panzer eingeprügelt habe.
Mission zwei lief dann schon ganz anders. In der nordafrikanischen Wüste, mit passender angepasster Taktik und den richtigen Boni, funktionierte plötzlich vieles deutlich runder. Genau diese Mischung aus "Was mache ich hier eigentlich?" und "Okay, jetzt läuft es" zieht sich ziemlich stark durch das Spiel.
Und man sollte sich darauf einstellen:
Ein Neustart einer Mission ist hier nichts Ungewöhnliches.
Selbst wenn der eigene Ehrgeiz einem manchmal etwas anderes einreden will.
Drei Fraktionen, 25 Missionen
Insgesamt bietet Sudden Strike 5 25 Missionen verteilt auf die drei Fraktionen Achsenmächte, Alliierte und Sowjets. Eine große, zusammenhängende Story wie in anderen Taktikspielen sollte man hier allerdings nicht erwarten.
Die Missionen sind eher einzelne, historisch inspirierte Einsätze, die nach und nach freigeschaltet werden. Je nach Spielweise, Schwierigkeitsgrad und der Frage, wie oft man sich an bestimmten Einsätzen festbeißt, kann man hier mit ungefähr 20 bis 30 Stunden Spielzeit rechnen.
Commander-System und Doctrine-Karten sorgen für mehr Tiefe
Besonders interessant ist das Commander-System. Vor jeder Mission wählt man eine historische Persönlichkeit aus dem Zweiten Weltkrieg, die spezielle Boni mitbringt. Das können etwa mehr Schaden bei Flankenangriffen oder eine höhere Durchschlagskraft gegen Panzerung sein.
Dazu kommen die Doctrine-Karten, die man durch das Abschließen von Missionszielen freischaltet. Mit Doctrine-Punkten lassen sich diese Karten weiter verbessern. So kann man unter anderem Flankenschaden erhöhen, Rauchgranaten freischalten oder sogar Panzer hinter Sandsäcken eingraben lassen, damit sie weniger Schaden nehmen.
Das System gibt den Missionen mehr taktische Flexibilität und sorgt auch dafür, dass man Einsätze nicht immer exakt gleich angehen muss.
Freie Entscheidungen auf dem Schlachtfeld
Sudden Strike 5 lässt einem zudem in vielen Missionen durchaus Freiheiten. Man kann sich direkt auf das Hauptziel stürzen oder erst einmal wichtige Punkte auf der Karte einnehmen, um zusätzliche Prestige-Punkte, Luftunterstützung oder andere Vorteile freizuschalten.
Das klingt zunächst bequem, bringt aber natürlich auch Risiken mit sich. Der Gegner bleibt nicht passiv und versucht je nach Situation und Schwierigkeitsgrad auch, solche Punkte zurückzuerobern oder einem anderweitig in die Flanke zu fallen.
Gerade dadurch entsteht ein schönes Spannungsgefühl:
Will man schnell vorstoßen oder lieber zuerst das eigene Fundament stärken?
Neues Supply-System erhöht den Druck zusätzlich
Neu ist außerdem das Supply-System. Einheiten brauchen regelmäßig Munition und Treibstoff. Man muss also nicht nur neue Truppen einkaufen, sondern sie auch aktiv versorgen.
Das funktioniert entweder über Luftabwürfe oder spezielle Versorgungseinheiten, die Munition und Treibstoff transportieren. Dadurch wird das Spiel noch ein gutes Stück planungsintensiver, weil man eben nicht nur angreifen, sondern die eigene Front auch logistisch am Leben halten muss.
Größter Schwachpunkt: Das User Interface
So positiv mein Eindruck insgesamt auch ist, einen recht nervigen Kritikpunkt gibt es für mich trotzdem: das User Interface.
Gerade am Anfang war ich ziemlich verwirrt. Zum Beispiel war mir zuerst gar nicht klar, wo und wie ich neue Einheiten überhaupt kaufen kann, weil dafür bestimmte Gebäude auf der Karte angeklickt werden müssen. Auch wichtige Funktionen wie die taktische Übersicht, mit der man unter anderem Höhenunterschiede besser erkennen kann, springen einem nicht gerade ins Gesicht.
Dazu kommen die Einheiten-Symbole selbst, die für Neulinge durchaus mysteriös wirken können. Zwar zeigt das Spiel Werte wie Kosten, Truppenpunkte, Treibstoff, Durchschlagskraft und Gesundheit an, aber eine wirklich gute Einführung in die Bedeutung all dieser Informationen gibt es nur begrenzt.
Vieles lernt man durch Ausprobieren, Erfahrung oder das Wälzen von Hilfetexten. Für Genre-Veteranen mag das weniger problematisch sein, aber Neulinge könnten hier gerade zu Beginn recht schnell frustriert werden.
Ein stärkeres Tutorial, das die Mechaniken sauberer erklärt, hätte Sudden Strike 5 definitiv gutgetan.
Technik, Atmosphäre und PvP
Technisch macht das Spiel einen ordentlichen Eindruck. Grafik und Performance sind solide, und auch der Soundtrack gefällt mir gut. Während der Missionen steht allerdings naturgemäß vor allem das Schlachtfeld selbst im Vordergrund - mit Explosionen, Schüssen und dem allgemeinen Kriegschaos.
Auch die gegnerische KI hält immer mal wieder unangenehme Überraschungen bereit, was die Spannung zusätzlich erhöht.
Und wer genug von der Kampagne hat, kann sich natürlich auch im Online-PvP mit anderen Spielern messen.
Fazit
Sudden Strike 5 hat mich unterm Strich sehr positiv überrascht.
Es ist ein forderndes Echtzeit-Taktikspiel, das genau weiß, was es sein will, und Spieler belohnt, die bereit sind, sich wirklich damit auseinanderzusetzen.
Der Einstieg fällt durch das etwas sperrige Interface, die teils schwer lesbaren Symbole und das eher dünne Tutorial unnötig schwer aus. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, bekommt hier taktische Gefechte, die Konzentration, Planung und Geduld verlangen.
Oder anders gesagt:
Wer Lust auf ein Spiel hat, das den Kopf tatsächlich zum Arbeiten bringt und bei dem ein Rambomodus keine Option ist, dürfte an Sudden Strike 5 eine Menge Freude haben.
Für mich ist das bisher ein klarer Daumen nach oben – und ein überraschend starkes Comeback für eine Reihe, die ich persönlich lange nicht mehr auf dem Schirm hatte.
Transparenzhinweis:
Für den Test wurde mir ein Review-Key von Kalypso Media zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.